Beispiel Sommerkleid aus Viskose zum Nachnähen
An einem warmen Tag soll ein Kleid nicht einengen, nicht am Körper kleben und sich beim Gehen trotzdem schön bewegen. Genau darin liegt der Reiz von Viskose. Unser Beispiel Sommerkleid aus Viskose zeigt, wie aus einem weich fallenden Webstoff ein Kleid entsteht, das unkompliziert aussieht, aber mit der richtigen Vorbereitung besonders sauber gelingt.
Beispiel Sommerkleid aus Viskose: die Idee dahinter
Stellen Sie sich ein knielanges Kleid mit leicht ausgestelltem Rock, schmalen Trägern oder kleinen angeschnittenen Ärmeln und einem locker sitzenden Oberteil vor. Ein V-Ausschnitt vorne oder ein sanft gerundeter Halsausschnitt passt ebenso gut wie eine durchgehende Knopfleiste. Dieses Modell lebt nicht von vielen aufwendigen Details, sondern vom Fall des Stoffes.
Viskosewebware ist für solche Sommerkleider eine sehr schöne Wahl: Sie fühlt sich meist glatt und kühl an, fällt fließend und bringt Drucke oder Uni-Farben besonders gut zur Geltung. Florale Dessins wirken leicht und feminin, grafische Muster modern. Wer es zeitlos mag, näht ein Kleid in Marine, Schwarz, Terrakotta, Salbeigrün oder einem warmen Sandton.
Wichtig ist: Viskose ist nicht gleich Viskose. Eine leichte Viskosewebware mit etwa 115 bis 150 g pro Quadratmeter eignet sich wunderbar für luftige Kleider. Sehr dünne Qualitäten können leicht durchscheinen und brauchen je nach Schnitt ein Futter oder einen Unterrock. Etwas festere Viskose bleibt ebenfalls weich, zeichnet aber weniger jede Bewegung der Unterwäsche nach und ist daher für Einsteigerinnen oft angenehmer.
Der passende Schnitt für weich fallende Stoffe
Für das erste Sommerkleid aus Viskose ist ein Schnitt mit klaren Linien die beste Wahl. Besonders gut funktionieren locker geschnittene A-Linien-Kleider, Wickeloptiken mit guter Sicherung am Ausschnitt, Hemdblusenkleider oder Kleider mit gerafftem Rockteil. Auch ein einfaches Kleid mit angeschnittenem Ärmel kann sehr edel aussehen, wenn die Passform an Schultern und Brust stimmt.
Bei einem engen Etuikleid oder einem Modell mit vielen formgebenden Nähten zeigt sich jede kleine Ungenauigkeit stärker. Das heißt nicht, dass solche Schnitte ungeeignet sind. Sie verlangen nur mehr Sorgfalt beim Zuschnitt und beim Anprobieren. Wer noch nicht viel mit flutschigeren Webwaren genäht hat, startet besser mit einem Kleid, das etwas Bewegungsweite mitbringt.
Achten Sie beim Schnittmuster darauf, ob es ausdrücklich für Webware gedacht ist. Jersey-Schnittmuster sind meist mit weniger Mehrweite konstruiert und lassen sich nicht ohne Anpassung für unelastische Viskose verwenden. Ein Kleid aus Webware braucht Platz zum Hineinschlüpfen - etwa durch einen Reißverschluss, eine Knopfleiste, einen Schlitz oder einen ausreichend weiten Ausschnitt.
Für ein ärmelloses, knielanges Kleid in Größe 38 bis 40 werden häufig etwa 2 bis 2,5 Meter Stoff bei 140 Zentimetern Breite benötigt. Die genaue Menge steht immer im Schnittmuster. Bei großen Blumen, Streifen oder einem gerichteten Motiv lohnt sich ein Zuschlag, damit Muster an Vorderteil, Rückteil und Rock harmonisch verlaufen.
Stoff vor dem Zuschnitt richtig vorbereiten
Viskose kann beim ersten Waschen etwas einlaufen. Waschen Sie den Stoff daher vor dem Nähen so, wie Sie das fertige Kleid später pflegen möchten. Für viele Viskosequalitäten bedeutet das Schonwäsche bei 30 Grad und niedrige Schleuderzahl. Lassen Sie den Stoff anschließend möglichst glatt trocknen und bügeln Sie ihn mit mittlerer Temperatur, am besten von links.
Der Zuschnitt ist der Moment, in dem Geduld wirklich Zeit spart. Legen Sie Viskose auf eine große, saubere Fläche und streichen Sie den Stoff ohne Zug glatt. Wenn der Stoff beim Falten verrutscht, können Sie ihn einlagig zuschneiden. Das dauert etwas länger, verhindert aber ungleiche Schnittteile. Feine Gewichte sind oft praktischer als viele Stecknadeln, weil sie den Stoff nicht anheben oder verziehen.
Markierungen für Abnäher, Taschenpositionen und Knipse sollten gut sichtbar, aber schonend übertragen werden. Ein Kreidestift, kleine Fadenmarkierungen oder ein auswaschbarer Markierstift sind dafür geeignet. Testen Sie Markierstifte bei dunklen oder kräftig bedruckten Stoffen immer zuerst an einem Reststück.
Bei einem weich fallenden Kleid spielt der Fadenlauf eine große Rolle. Ein Rockteil im schrägen Fadenlauf fällt besonders fließend, kann sich aber nach dem Nähen aushängen. Lassen Sie das Kleid vor dem Säumen idealerweise einen Tag auf einem Bügel ruhen. Erst dann gleichen Sie die Saumlänge an. So vermeiden Sie, dass einzelne Stellen nach dem ersten Tragen länger wirken.
So nähen Sie Viskose sauber und entspannt
Eine neue, feine Universalnadel in Stärke 70 oder 80 ist für die meisten Viskosewebwaren eine gute Grundlage. Bei sehr feinen Qualitäten kann auch eine Microtexnadel in Stärke 70 hilfreich sein. Nehmen Sie ein hochwertiges Allesnähgarn und probieren Sie Stichlänge sowie Fadenspannung an einem Stoffrest aus. Meist liefert eine etwas kürzere Stichlänge von etwa 2,2 bis 2,5 Millimetern ein sauberes Ergebnis.
Viskose mag beim Nähen nicht gezogen werden. Führen Sie den Stoff nur locker, während der Transporteur die Arbeit übernimmt. Wenn sich Nähte wellen, hilft manchmal ein geringerer Nähfußdruck. Auch ein Obertransportfuß kann bei langen Seitennähten oder mehreren Stofflagen nützlich sein. Welche Einstellung passt, hängt jedoch von Stoffstärke und Nähmaschine ab - ein Probestück ist zuverlässiger als eine allgemeine Regel.
Versäubern Sie die Nahtzugaben direkt nach dem Zusammennähen oder vorher, wenn Sie mit locker fransenden Stoffen arbeiten. Die Overlock ist praktisch, aber keine Voraussetzung. Ein schmaler Zickzackstich oder ein Overlockstich der Haushaltsnähmaschine erfüllt denselben Zweck. Besonders hübsch und haltbar sind französische Nähte bei leichten Stoffen. Sie schließen die Schnittkante vollständig ein, brauchen aber etwas mehr Nahtzugabe und passen vor allem zu geraden oder nur sanft geschwungenen Nähten.
Beim Bügeln gilt: Jede Naht erst schließen, dann vorsichtig auseinanderbügeln. Legen Sie bei empfindlichen Drucken ein dünnes Baumwolltuch zwischen Bügeleisen und Stoff. Zu viel Druck kann glänzende Stellen hinterlassen. Gerade Schulter-, Seiten- und Abnähernähte sehen deutlich professioneller aus, wenn sie Schritt für Schritt gebügelt werden.
Ausschnitt, Träger und Saum ohne Frust verarbeiten
Ein sauberer Ausschnitt entscheidet stark darüber, wie hochwertig das Kleid wirkt. Für ein ärmelloses Sommerkleid bietet sich ein Beleg aus dem gleichen Stoff an. Bei sehr leichter Viskose wird der Beleg mit einer passenden, leichten Einlage stabilisiert. Sie sollte den Stoff stützen, ohne ihn steif zu machen. Testen Sie die Einlage unbedingt am Reststück, denn manche Viskosen reagieren auf hohe Bügeltemperatur empfindlich.
Schmale Träger gelingen besonders gleichmäßig, wenn sie vor dem Wenden knapp zurückgeschnitten werden. Wer sich das Wenden sparen möchte, kann Träger auch mit sauber eingeschlagenen Kanten nähen. Bei einem Kleid mit breiteren Trägern ist diese Variante oft angenehm, weil sie mehr Stabilität bietet und BH-Träger besser verdeckt.
Für den Saum ist ein schmaler doppelter Einschlag eine klassische Lösung. Bei stark gerundeten Röcken kann ein Rollsaum schöner liegen, weil weniger Stoff eingeschlagen wird. Ein Rollsaumfuß ist hilfreich, verlangt aber Übung. Nähen Sie lieber langsam und testen Sie die Technik vorher an einem längeren Reststreifen. Alternativ funktioniert ein schmaler Zickzacksaum bei vielen Maschinen erstaunlich gut.
Kleine Anpassungen machen das Kleid zum Lieblingsstück
Ein Sommerkleid soll nicht nur auf dem Bügel gut aussehen. Probieren Sie es deshalb vor dem endgültigen Säumen mit den Schuhen an, zu denen Sie es am häufigsten tragen möchten. Prüfen Sie, ob der Ausschnitt beim Bücken geschlossen bleibt, ob die Träger an der richtigen Stelle sitzen und ob Sie bequem sitzen können. Gerade bei Wickelkleidern lohnt sich ein kleiner Druckknopf oder ein Bindeband innen, damit alles dort bleibt, wo es soll.
Auch Taschen sind eine Frage des Alltags. Seitliche Eingrifftaschen sind praktisch, können bei sehr leichter Viskose aber auftragen oder den Rock aus der Form ziehen, wenn das Handy darin steckt. Wer den fließenden Look ganz pur halten möchte, verzichtet darauf. Bei etwas festerer Viskose sind Taschen dagegen eine schöne Ergänzung.
Waschen Sie das fertige Kleid auf links und hängen Sie es nach dem Waschen möglichst zügig auf. Viskose knittern je nach Qualität mehr oder weniger. Ein kurzer Dampfstoß oder leichtes Bügeln bringt den schönen Fall zurück. Mit guter Pflege bleibt das Kleid nicht nur ein Projekt für einen Sommer, sondern ein fester Teil Ihrer selbstgenähten Garderobe.
Wenn Sie bei Stoffmenge, Farbwahl oder der passenden Einlage unsicher sind, hilft eine persönliche Beratung weiter - bei Die Stoffkönigin genauso wie direkt am Zuschnittplan des gewählten Schnittmusters. Nehmen Sie sich für den ersten Versuch lieber einen Stoff, dessen Farbe Sie wirklich gern tragen. Dann wird aus ein paar Metern Viskose mit jeder Naht ein Kleid, zu dem Sie an warmen Morgen ganz automatisch greifen.