Gardinen selbst säumen: So fällt der Saum schön

Die Gardine hängt schon an der Stange, streift am Boden und wirkt dadurch sofort weniger ordentlich? Dann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, Gardinen selbst zu säumen. Mit etwas Geduld, einem sorgfältig gemessenen Umschlag und der passenden Methode gelingt das auch ohne große Näherfahrung. Entscheidend ist nicht, besonders schnell zu arbeiten, sondern den Stoff vor dem ersten Stich in Ruhe auszurichten.
Gardinen selbst säumen beginnt mit dem richtigen Maß
Der häufigste Fehler passiert vor dem Nähen: Die Gardine wird im Liegen abgemessen. Dabei verhält sich ein Stoff anders als am Fenster. Vor allem leichte Dekostoffe, Voile und Stores können sich durch ihr Eigengewicht noch ein Stück aushängen. Hängen Sie die Gardine deshalb zunächst so auf, wie sie später fallen soll - mit den vorgesehenen Röllchen, Kräuselband oder Schlaufen.
Lassen Sie den Stoff anschließend idealerweise einen Tag hängen. Danach messen Sie den Abstand vom gewünschten Saumende bis zur Unterkante an mehreren Stellen: links, in der Mitte und rechts. Bei breiten Schals oder Vorhängen sind weitere Messpunkte sinnvoll. Fensterbänke, Heizkörper und leicht unebene Böden können dazu führen, dass eine auf den ersten Blick gerade abgesteckte Linie später schief wirkt.
Wie lang die Gardine sein soll, ist Geschmackssache. Ein luftiger Store darf etwa ein bis zwei Zentimeter über dem Boden enden. Schwere Vorhänge wirken meist schön, wenn sie knapp darüber schweben. Soll der Stoff bewusst aufliegen, braucht er etwas mehr Länge - das ist bei Alltagstextilien allerdings weniger praktisch, weil sich am Boden schneller Staub sammelt.
Die Saumzugabe mitrechnen
Zur fertigen Wunschlänge kommt die Saumzugabe hinzu. Für einen klassischen doppelt eingeschlagenen Saum rechnen Sie bei leichten bis mittelschweren Stoffen meist sechs bis zehn Zentimeter dazu. Bei sehr transparentem Stoff genügt oft ein schmalerer Saum, während ein schwerer Dekostoff von einem etwas breiteren Abschluss profitiert.
Wenn die Gardine deutlich zu lang ist, schneiden Sie den Überschuss erst ab, nachdem Sie alles kontrolliert haben. Markieren Sie die Schnittlinie mit Schneiderkreide, einem Markierstift oder Stecknadeln. Schneiden Sie auf einer großen, glatten Fläche und nutzen Sie eine scharfe Stoffschere. Ein ausgefranster oder welliger Zuschnitt macht das anschließende Säumen unnötig mühsam.
Welche Methode passt zu Ihrem Gardinenstoff?
Nicht jede Gardine muss zwingend mit der Nähmaschine gesäumt werden. Die beste Variante richtet sich nach Stoffart, gewünschter Haltbarkeit und der Frage, wie sichtbar der Saum sein darf. Bei einem feinen Store zählt ein unauffälliger Abschluss besonders, bei blickdichten Vorhängen eher ein sauberer, belastbarer Fall.
Mit der Nähmaschine: sauber und dauerhaft
Ein doppelt eingeschlagener Saum ist die klassische Lösung. Schlagen Sie die untere Stoffkante zunächst etwa einen Zentimeter nach innen ein und bügeln Sie sie vorsichtig. Danach schlagen Sie die Kante noch einmal in der gewünschten Saumbreite um und bügeln erneut. So liegt die Schnittkante geschützt im Saum und kann nicht ausfransen.
Stecken Sie den Umschlag mit feinen Stecknadeln quer zur Nährichtung fest oder verwenden Sie Stoffclips. Nähen Sie knapp an der inneren umgeschlagenen Kante entlang. Ein gerader Stich mit mittlerer Stichlänge passt für die meisten Gardinenstoffe gut. Testen Sie Fadenspannung und Stichbild vorher an einem Reststück - besonders bei feinen Stoffen können zu enge Stiche Wellen erzeugen.
Wählen Sie ein Garn, das möglichst genau zum Stoffton passt. Bei weißen Stores ist ein transparentes Monofilament nicht immer die beste Wahl: Es kann je nach Licht glänzen und sich etwas steif anfühlen. Ein feines, farblich passendes Nähgarn ist oft die unauffälligere Wahl.
Von Hand nähen: gut für feine und besondere Stoffe
Wenn kein Platz für eine Maschine vorhanden ist oder der Stoff sehr empfindlich reagiert, können Sie den Saum von Hand nähen. Ein Blindstich hält den Umschlag fest, ohne auf der Vorderseite deutlich sichtbar zu sein. Dabei fassen Sie immer nur wenige Gewebefäden der Gardinenvorderseite auf.
Diese Methode braucht mehr Zeit, eignet sich aber wunderbar für hochwertige Vorhänge, sehr dünne Stoffe oder einzelne Korrekturen. Achten Sie darauf, den Faden nicht zu straff anzuziehen. Sonst zieht sich die Stoffkante zusammen und der Saum verliert seinen ruhigen Fall.
Saumband zum Aufbügeln: die schnelle Alternative
Bügelbares Saumband ist praktisch, wenn es zügig gehen soll oder Sie nicht nähen möchten. Es wird zwischen Stoffkante und Umschlag gelegt und mit dem Bügeleisen fixiert. Für leichte Gardinen und Räume mit wenig Beanspruchung kann das eine gute Lösung sein.
Bei schweren Verdunkelungsvorhängen, Stoffen mit Beschichtung oder Gardinen, die häufig gewaschen werden, ist ein genähter Saum meist langlebiger. Prüfen Sie außerdem immer die Pflegehinweise des Stoffes. Manche Kunstfasern vertragen nur niedrige Temperaturen, und bei beschichteten Stoffen kann Hitze sichtbare Spuren hinterlassen. Ein Test an einer verdeckten Stelle schützt vor Überraschungen.
So wird die Saumkante wirklich gerade
Bügeln ist beim Gardinensäumen kein Nebenschritt, sondern macht den Unterschied zwischen einem schnellen Provisorium und einem sauber gearbeiteten Abschluss. Der gebügelte Umschlag zeigt Ihnen genau, wo die Naht verlaufen soll, und verhindert, dass sich der Stoff beim Nähen verschiebt.
Arbeiten Sie bei langen Bahnen abschnittsweise. Erst einen Bereich markieren, einschlagen und bügeln, dann den nächsten. Wenn Sie versuchen, drei Meter Stoff auf einmal zu wenden, verrutscht die Kante leicht. Ein großer Tisch, ein sauberer Boden oder mehrere zusammengestellte Flächen helfen dabei enorm.
Bei transparenten Stoffen sollten Sie Stecknadeln möglichst sparsam einsetzen, denn Einstichstellen können sichtbar bleiben. Stoffclips sind hier oft die angenehmere Wahl. Bei schweren, dicht gewebten Vorhängen dürfen Sie dagegen etwas großzügiger fixieren - das Gewicht des Stoffes zieht sonst am Umschlag.
Besonderheiten bei Stores, Ösen und Verdunkelungsvorhängen
Ein leichter Store braucht einen schmalen Saum, damit die Unterkante nicht beschwert wirkt. Zwei Mal ein bis zwei Zentimeter eingeschlagen sehen meist harmonisch aus. Bei einem sehr feinen Voile kann ein Rollsaum mit der Overlock oder einem speziellen Nähfuß ebenfalls schön aussehen. Er verlangt aber etwas Übung und ist nicht bei jedem Stoff die beste Wahl.
Ösenschals und Schlaufenschals sollten Sie unbedingt hängend ausmessen. Durch die Aufhängung kann sich die Länge je nach Stange und Faltenwurf verändern. Auch bei Kräuselband lohnt ein Blick auf die endgültige Raffungsbreite: Erst raffen und aufhängen, dann die Länge bestimmen.
Verdunkelungsstoffe und Thermovorhänge sind oft mehrlagig oder haben eine Beschichtung auf der Rückseite. Verwenden Sie eine passende, stabile Nadel und nähen Sie langsam. Ist der Stoff sehr dick, kann ein einfacher Umschlag besser aussehen als ein mehrfach eingeschlagener Saum. Die Schnittkante lässt sich in diesem Fall vorher mit einem Zickzackstich oder Schrägband sichern - sofern das zur Stoffart und zur gewünschten Optik passt.
Kleine Probleme beim Säumen schnell lösen
Wellen am Saum entstehen häufig durch eine zu hohe Fadenspannung, einen zu langen Saum bei sehr leichtem Stoff oder durch Zug beim Nähen. Nähen Sie ohne am Stoff zu ziehen, reduzieren Sie bei Bedarf die Oberfadenspannung und testen Sie die Einstellung. Ein erneutes, vorsichtiges Bügeln kann leichte Wellen ebenfalls glätten.
Ist die Gardine nach dem Säumen doch noch zu lang, lässt sich ein weiterer schmaler Umschlag meist problemlos setzen. Zu kurz ist schwieriger. Darum lieber zunächst etwas großzügiger messen und die endgültige Länge erst festlegen, wenn die Gardine hängt. Bei einem zu kurzen Saum kann ein angesetzter Stoffstreifen eine kreative Lösung sein, etwa als farblich passender Abschluss bei blickdichten Vorhängen.
Auch schiefe Seitenkanten müssen nicht bedeuten, dass alles misslungen ist. Kontrollieren Sie zuerst, ob die Gardine gerade an der Stange hängt. Wenn der Stoff selbst leicht verzogen zugeschnitten wurde, orientieren Sie sich beim Saum an der optisch geraden Linie im Fenster - nicht ausschließlich an der Webkante.
Ein guter Saum darf unauffällig sein: Er gibt Ihrer Gardine Halt, lässt sie ruhig fallen und bleibt im besten Fall einfach unsichtbar. Wenn Sie bei Stoff, Garn oder der passenden Nadel unsicher sind, hilft eine persönliche Beratung - bei Die Stoffkönigin genauso gern für das erste Fenster wie für ein ganzes Zuhause.



