Overlockfäden richtig einfädeln leicht gemacht
Vier Fäden, kleine Ösen, bewegliche Greifer - beim ersten Mal kann das Einfädeln einer Overlock Respekt machen. Doch Overlockfäden richtig einfädeln ist kein Rätsel, sondern eine Frage von Reihenfolge, Ruhe und einem Blick auf die Markierungen deiner Maschine. Wenn die Fäden sauber durch alle Führungen laufen, näht deine Overlock elastische, haltbare Nähte und versäubert Stoffkanten in einem Arbeitsgang.
Gerade bei Jersey, Sweat oder Bündchen zeigt sich der Unterschied sofort: Eine korrekt eingefädelte Overlock näht gleichmäßig, schneidet sauber und lässt die Naht flexibel. Hängen dagegen Schlaufen über die Stoffkante, reißt ein Faden oder wird die Naht plötzlich fest, steckt die Ursache oft im Fadenweg - nicht im Stoff.
Was du vor dem Einfädeln vorbereitest
Stelle die Overlock auf einen festen Tisch und sorge für gutes Licht. Schalte die Maschine aus, hebe den Nähfuß und drehe das Handrad so, dass Nadeln und Greifer gut erreichbar sind. Beim angehobenen Nähfuß sind die Spannungsscheiben geöffnet. So können die Fäden beim Einlegen zuverlässig zwischen die Scheiben gleiten, statt nur davor zu liegen.
Klappe die Greiferabdeckung auf und ziehe die Teleskop-Fadenantenne vollständig nach oben. Die Fäden müssen von den Konen frei nach oben laufen können. Steht die Antenne zu niedrig oder liegt ein Faden hinter einem Stab, entsteht unnötiger Zug. Das kann selbst bei einer ansonsten richtigen Einfädelung zu ungleichmäßigen Stichen führen.
Lege die passenden Konen bereit. Für die meisten Projekte sind Overlockgarne aus Polyester eine gute Wahl: Sie sind reißfest, laufen gleichmäßig und passen zu elastischen wie zu gewebten Stoffen. Bei sichtbaren Nähten darf die Farbe gern genau zum Stoff passen. Für innere Nähte ist ein ähnlicher Farbton oft völlig ausreichend - besonders praktisch, wenn du viele bunte Kinderstoffe vernähst.
Overlockfäden richtig einfädeln: Die Reihenfolge zählt
Jede Overlock hat ihren eigenen Fadenweg. Farbige Punkte, Nummern oder Symbole auf dem Gehäuse zeigen dir, welche Führung zu welchem Faden gehört. Verlasse dich deshalb immer zuerst auf die Anleitung deiner Maschine. Die dort angegebene Reihenfolge ist verbindlich, auch wenn sie bei einem anderen Modell anders aussehen kann.
Bei vielen Haushalts-Overlocks werden zunächst Obergreifer und Untergreifer, danach die Nadeln eingefädelt. Häufig beginnt man mit dem Obergreifer, fährt mit dem Untergreifer fort und fädelt anschließend die rechte und dann die linke Nadel ein. Manche Modelle verlangen eine abweichende Reihenfolge. Das ist kein Detail: Werden die Greifer vertauscht oder die Nadelfäden zu früh eingelegt, kann sich die Fadenkette beim Nähen nicht richtig bilden.
Folge mit jedem Faden konsequent allen Stationen: von der Konenhalterung über die Fadenantenne und die oberen Führungen bis zu Spannungsscheiben, Haken, Hebeln und schließlich Greifer oder Nadel. Überspringe keine kleine Öse, auch wenn der Faden zunächst scheinbar gut läuft. Gerade die unscheinbaren Führungen halten die Spannung stabil und verhindern, dass sich Fäden beim Nähen kreuzen.
Beim Einlegen in die Spannungsscheiben darfst du den Faden sanft nach unten ziehen. Du solltest merken, dass er einrastet. Gewalt ist dabei nie nötig. Ist der Faden ausgefranst, schneide das Ende schräg und frisch ab. Ein sauberer Schnitt lässt sich deutlich leichter durch enge Ösen führen.
Greifer einfädeln ohne Fadenchaos
Die Greifer sitzen hinter der geöffneten Abdeckung und sind der Teil, der anfangs am filigransten wirkt. Drehe das Handrad langsam zu dir, bis du die jeweilige Greiferöse gut siehst. Manche Maschinen bieten dafür einen Einfädelhebel oder einen Greifereinfädler. Nutze ihn, wenn vorhanden - er ist nicht nur für Einsteigerinnen und Einsteiger gedacht, sondern spart bei jedem Garnwechsel Zeit.
Achte darauf, dass der Untergreiferfaden nach dem Einfädeln wirklich über oder unter den vorgeschriebenen kleinen Haken liegt. Diese Position ist je nach Modell entscheidend. Wenn sich die Fadenkette nicht schließt, obwohl alles auf den ersten Blick richtig aussieht, prüfe genau diese letzte Strecke noch einmal.
Nadeln erst zum Schluss einfädeln
Sind beide Greifer eingefädelt, folgen die Nadeln. Bei einer vierfädigen Overlock nähst du meist mit zwei Nadelfäden. Die rechte Nadel erzeugt eine schmalere Naht, die linke eine breitere. Für eine stabile Vierfaden-Overlocknaht brauchst du beide Nadeln und beide Greifer.
Führe den Faden bis zur Nadelstange durch alle kleinen Haken. Dann fädelst du von vorn nach hinten durch das Nadelöhr. Eine Pinzette, ein Einfädler oder ein Stück weißes Papier hinter der Nadel helfen, wenn die Öffnung schwer zu erkennen ist. Ziehe anschließend alle Fäden etwa zehn Zentimeter unter dem Nähfuß nach hinten.
Der Testlauf zeigt sofort, ob alles stimmt
Bevor dein zugeschnittener Stoff unter die Maschine kommt, nähst du eine kurze Fadenkette. Halte die Fäden zu Beginn leicht nach hinten und trete langsam aufs Pedal. Die Kette sollte gleichmäßig entstehen, ohne dass sich Fäden um die Stichplatte wickeln oder abreißen.
Danach teste auf einem Reststück des gleichen oder eines ähnlich dicken Materials. Das ist besonders bei dehnbaren Stoffen sinnvoll, denn Jersey, French Terry und dünner Viskosejersey verhalten sich unterschiedlich. Die Stoffreste müssen nicht groß sein - ein kleines Stück genügt, um Nahtbild, Schnittbreite und Dehnung zu beurteilen.
Schlaufen an der Stoffkante sind ein Hinweis auf eine nicht passende Greiferspannung oder einen Faden, der nicht korrekt in der Spannung liegt. Ziehen sich die Stoffkanten stark zusammen, können Nadelfadenspannung, Differenzialtransport oder Stichlänge eine Rolle spielen. Verändere immer nur eine Einstellung und nähe erneut ein kurzes Probestück. So weißt du anschließend, welche Änderung wirklich geholfen hat.
Häufige Fehler beim Einfädeln
Ein klassischer Fehler ist das Einfädeln bei abgesenktem Nähfuß. Dann sitzen die Fäden oft nicht zwischen den geöffneten Spannungsscheiben. Die Maschine näht vielleicht noch ein paar Stiche, das Nahtbild wird aber unzuverlässig. Hebe den Fuß, ziehe die betreffenden Fäden aus den Spannungen und lege sie erneut ein.
Auch vertauschte Fadenwege kommen leicht vor, vor allem bei ähnlich gefärbten Garnen. Verwende zum Einfädeln ruhig vier unterschiedliche Farben. Damit siehst du auf dem Probestück sofort, welcher Faden wo liegt und welcher Weg überprüft werden muss. Für das eigentliche Projekt kannst du anschließend auf farblich passende Konen wechseln.
Ein weiterer Stolperstein sind alte, fusselige oder zu kleine Garnrollen. Overlockmaschinen laufen schnell und brauchen Garn, das gleichmäßig abzieht. Große Konen mit Overlockgarn sind dafür die praktische Wahl. Bei kleineren Nähgarnrollen helfen passende Konenhalter oder Netze, doch je nach Maschine kann der Fadenlauf trotzdem weniger ruhig sein.
Wenn ein Faden während des Nähens reißt, musst du nicht immer alles neu einfädeln. Prüfe zuerst, ob die Konen frei stehen, ob der Faden zwischen den Scheiben liegt und ob sich Fusseln an Greifer, Messer oder Stichplatte gesammelt haben. Ist der Faden aus einem Greifer herausgerutscht oder komplett aus dem Fadenweg gesprungen, ist ein Neueinfädeln in der vorgeschriebenen Reihenfolge meist die sicherste Lösung.
Fäden anknoten oder komplett neu einfädeln?
Beim Farbwechsel kannst du die neuen Fäden an die alten anknoten und vorsichtig durch den Fadenweg ziehen. Das funktioniert gut bis kurz vor die Nadeln und Spannungsscheiben. Schneide die Knoten ab, bevor sie durch enge Ösen, Greifer oder Nadelöhre laufen - sonst können sie hängen bleiben oder Teile der Maschine beschädigen.
Diese Methode spart Zeit, ersetzt aber kein bewusstes Neu-Einfädeln. Nach einem Fadenriss, beim Wechsel auf ein deutlich dickeres Garn oder wenn du nicht sicher bist, ob alle Führungen korrekt besetzt sind, lohnt sich der saubere Neustart. Du kennst deine Maschine danach besser und vermeidest Ärger mitten im Projekt.
Kleine Routine, große Wirkung
Lass nach dem Nähen eine Fadenkette stehen und schneide sie erst ab, wenn du das Projekt aus der Maschine nimmst. Entferne regelmäßig Fusseln aus dem Greiferraum und verwende die Bürste, die deiner Maschine beilag. Öl gehört nur an die Stellen und in den Mengen, die der Hersteller vorgibt.
Bewahre die Bedienungsanleitung in Reichweite auf oder markiere die Einfädelseite mit einem Lesezeichen. Eine kleine Pinzette neben der Overlock macht den nächsten Garnwechsel ebenfalls entspannter. Und wenn du trotz Anleitung festhängst, hilft persönliche Beratung oft schneller als langes Probieren - bei Die Stoffkönigin schauen wir gemeinsam darauf, welches Garn zu deinem Projekt passt.
Mit etwas Übung wird das Einfädeln zu einem festen Handgriff vor dem Nähen. Nimm dir beim nächsten Farbwechsel lieber zwei ruhige Minuten mehr, folge den Markierungen deiner Maschine und gönne ihr einen Test auf Stoffrest - dann darf dein eigentliches Nähprojekt ganz entspannt beginnen.