Reißverschluss einnähen bei Taschen leicht gemacht

Ein offenes Taschenfach ist schnell genäht, aber im Alltag oft wenig praktisch: Schlüssel, Handy oder Kleingeld finden allzu leicht den Weg nach draußen. Einen Reißverschluss einnähen bei Taschen klingt zunächst nach einer kniffligen Aufgabe. Mit einer geraden Vorbereitung, dem passenden Reißverschlussfuß und ein paar Markierungen wird daraus aber ein Arbeitsschritt, den auch Einsteigerinnen und Einsteiger gut meistern können.

Welcher Reißverschluss passt zu Ihrer Tasche?

Bevor die Nähmaschine zum Einsatz kommt, entscheidet die Wahl des Reißverschlusses über Komfort und Ergebnis. Für Kosmetiktaschen, kleine Täschchen und gefütterte Stoffbeutel sind teilbare Reißverschlüsse die richtige Wahl. Sie bleiben an einem Ende geschlossen und lassen sich auf die benötigte Länge kürzen. Teilbare Reißverschlüsse braucht man dagegen vor allem bei Jacken oder Westen, nicht für klassische Taschen.

Ein Spiralreißverschluss aus Kunststoff ist für viele Taschenprojekte angenehm unkompliziert. Er ist flexibel, leicht zu vernähen und in vielen Farben erhältlich. Soll die Tasche besonders belastbar sein, etwa als Werkzeugtasche oder geräumige Einkaufstasche, kann ein kräftiger Kunststoff- oder Metallreißverschluss sinnvoll sein. Metallzähnchen sehen markant aus, verlangen beim Nähen aber etwas mehr Aufmerksamkeit: Die Nadel darf niemals auf ein Zähnchen treffen.

Bei der Länge gilt: Der Reißverschluss sollte mindestens so lang sein wie die geplante Öffnung, gern ein paar Zentimeter länger. Zu lange Meterware lässt sich erst nach dem Nähen kürzen. Ein zu kurzer Reißverschluss hingegen engt den Zugriff ins Tascheninnere spürbar ein. Für eine kleine Innentasche reichen oft 15 bis 20 cm, bei einer Kosmetiktasche oder einer Handtasche sind 25 bis 35 cm häufig praktischer.

Das brauchen Sie zum Reißverschluss einnähen bei Taschen

Neben Außenstoff, Futter und Reißverschluss erleichtern einige kleine Hilfsmittel die Arbeit deutlich:

  • Reißverschlussfuß für die Nähmaschine
  • passendes Nähgarn, idealerweise in Stoff- oder Reißverschlussfarbe
  • Stoffclips oder feine Stecknadeln
  • Handmaß oder Lineal und Markierstift
  • Bügeleisen für saubere Stoffkanten
  • gegebenenfalls eine kleine Zange und Endstücke zum Kürzen

Der Reißverschlussfuß ist besonders hilfreich, weil er dicht neben den Zähnchen näht, ohne daran anzustoßen. Prüfen Sie vor dem Start, auf welcher Seite Ihres Nähfußes die Nadel laufen muss. Bei vielen Maschinen lässt sich die Nadelposition zusätzlich nach links oder rechts verschieben. Ein Probestück aus denselben Stofflagen spart später Ärger.

Die einfache Methode: Reißverschluss zwischen Außenstoff und Futter

Diese Methode eignet sich hervorragend für gefütterte Taschen, Kosmetiktaschen und kleine Täschchen. Der Reißverschluss liegt dabei sauber zwischen Außenstoff und Futter, die Nahtzugaben verschwinden innen und die Kanten erhalten einen ordentlichen Abschluss.

1. Stoffteile vorbereiten und markieren

Schneiden Sie Außenstoff und Futter entsprechend Ihrem Schnittmuster zu. Falls der Außenstoff sehr weich ist, lohnt sich eine leichte bis mittlere Einlage. Sie gibt der Taschenkante Halt und verhindert, dass sich der Stoff am Reißverschluss wellt. Bei Canvas, Kunstleder oder bereits festen Dekostoffen ist zusätzliche Einlage nicht immer nötig. Hier kommt es auf die gewünschte Form der Tasche an.

Markieren Sie auf beiden Oberkanten die Mitte. Ebenso markieren Sie die Mitte des Reißverschlusses. Diese kleinen Orientierungspunkte helfen enorm, damit der Verschluss später nicht schief sitzt oder auf einer Seite mehr Stoff übersteht.

2. Erste Reißverschlussseite feststecken

Legen Sie den Außenstoff mit der rechten Stoffseite nach oben vor sich. Darauf kommt der geschlossene Reißverschluss mit der rechten Seite nach unten. Die Zähnchen zeigen also zum Außenstoff. Anschließend legen Sie das Futter mit der rechten Seite nach unten darüber. Nun liegen die Stoffe rechts auf rechts, der Reißverschluss ist dazwischen eingeschlossen.

Richten Sie alle oberen Kanten bündig aus und fixieren Sie sie mit Clips oder Nadeln. Stoffclips sind bei dicken Stoffen, Kunstleder oder beschichteten Materialien besonders praktisch, weil sie keine Löcher hinterlassen. Achten Sie darauf, dass der Zipper nicht direkt an der Nähstelle liegt. Schieben Sie ihn möglichst in die Mitte der Strecke.

Nähen Sie mit einem Geradstich langsam entlang der oberen Kante. Ein Abstand von etwa 5 bis 7 mm zu den Zähnchen funktioniert bei den meisten Reißverschlüssen gut. Kurz vor dem Zipper halten Sie mit abgesenkter Nadel an, heben den Nähfuß an und schieben den Zipper vorsichtig hinter den Fuß. Dann nähen Sie weiter. So bleibt die Naht gerade.

3. Wenden, bügeln und knapp absteppen

Klappen Sie Außenstoff und Futter auseinander, sodass die linken Stoffseiten aufeinanderliegen. Bügeln Sie die Kante vorsichtig flach. Bei Kunstfaserstoffen, beschichteten Stoffen oder Kunstleder bitte mit niedriger Temperatur und gegebenenfalls einem Tuch arbeiten.

Nun steppen Sie die Kante von rechts knapp neben dem Reißverschluss ab. Diese Naht sieht nicht nur ordentlich aus. Sie hält das Futter von den Zähnchen fern, damit es beim Öffnen nicht eingeklemmt wird. Verwenden Sie für einen dezenten Look passendes Garn. Kontrastgarn kann bei sportlichen Taschen oder Taschen aus Canvas ein bewusstes Designelement sein.

4. Zweite Seite genauso annähen

Für die zweite Seite legen Sie die noch offene Oberkante des Außenstoffs rechts auf rechts auf die freie Reißverschlusskante. Das Futter kommt wieder rechts auf rechts darüber. Kontrollieren Sie vorher unbedingt, ob Außenstoff und Futter nicht verdreht liegen. Die beiden Außenseiten müssen nach dem Schließen des Reißverschlusses außen sichtbar sein, die Futterseiten innen.

Nähen Sie die zweite Kante wie zuvor, wenden Sie die Stoffteile und steppen Sie erneut knappkantig ab. Öffnen Sie den Reißverschluss jetzt mindestens bis zur Hälfte. Dieser Schritt wird oft vergessen, ist aber entscheidend: Nur mit geöffnetem Reißverschluss lässt sich die Tasche später problemlos wenden.

Tasche schließen, ohne dass das Futter verrutscht

Legen Sie nun die Außenstoffe rechts auf rechts und die Futterstoffe ebenfalls rechts auf rechts. Der Reißverschluss liegt in der Mitte. An den Enden treffen mehrere Lagen zusammen, deshalb hilft es, die Nahtzugaben des Reißverschlusses jeweils in Richtung Futter zu legen. So entsteht weniger Dicke an den Übergängen.

Stecken oder clippen Sie die Seiten und die Unterkante sorgfältig. Nähen Sie einmal rundherum, lassen Sie aber im Futter an der Unterkante eine Wendeöffnung von etwa 8 bis 10 cm frei. Nähen Sie an den Reißverschlussenden langsam und sichern Sie die Naht mit einigen Rückstichen. Gerade dort wirkt später beim Öffnen und Schließen die größte Belastung.

Bei einer Tasche mit Boden oder abgenähten Ecken formen Sie diese erst nach dem Schließen der Seiten. Für einen einfachen Standboden ziehen Sie die untere Seitenecke zur Spitze, sodass Seitennaht und Bodennaht übereinanderliegen. Nähen Sie quer darüber. Je breiter diese Quernaht, desto tiefer wird der Taschenboden. Das klappt bei Außenstoff und Futter gleichermaßen.

Wenden Sie die Tasche durch die Öffnung im Futter. Formen Sie Ecken und Kanten vorsichtig mit einem stumpfen Stäbchen oder einem Kantenformer aus. Bitte nicht mit einer Schere arbeiten - sie kann den Stoff durchstoßen. Schließen Sie die Wendeöffnung anschließend knappkantig mit der Maschine oder von Hand mit einem Matratzenstich.

Häufige Probleme und praktische Lösungen

Wenn sich die Stoffkante am Reißverschluss wellt, war häufig zu viel Zug auf dem Stoff oder der Oberfaden zu stramm. Nähen Sie langsamer, führen Sie den Stoff nur leicht und testen Sie die Fadenspannung an einem Reststück. Bei dünner Baumwolle oder Viskose kann eine Einlage an der Reißverschlusskante ebenfalls viel ausmachen.

Klemmt der Zipper das Futter ein, fehlt meist die knappkantige Absteppung oder sie liegt zu weit von den Zähnchen entfernt. Eine zusätzliche Absteppnaht schafft hier Abhilfe. Ist der Reißverschluss am Ende zu lang, kürzen Sie ihn erst, wenn die Tasche fertig genäht ist. Bei Spiralreißverschlüssen wird die gewünschte Endstelle mit einigen engen Zickzackstichen gesichert, danach darf der Überstand abgeschnitten werden. Metallreißverschlüsse benötigen dagegen ein passendes Endstück oder eine Zange, um einzelne Zähnchen zu entfernen.

Bei sehr dicken Taschenstoffen kann die Maschine an den Reißverschlussenden Mühe haben. Ein Höhenausgleich, ein gefaltetes Stoffstück hinter dem Nähfuß oder langsames Nähen mit dem Handrad hilft über die dicke Stelle. Reduzieren Sie bei Bedarf die Stichlänge nicht zu stark: Etwa 2,5 bis 3 mm ergibt eine haltbare, saubere Naht.

Ein Reißverschluss muss nicht unsichtbar sein, um schön zu wirken. Ein farblich abgestimmter Zipper, eine klare Absteppung und sorgfältig gebügelte Kanten machen aus einer selbst genähten Tasche ein Stück, das Sie gern jeden Tag in die Hand nehmen.